MEERESGEFLÜSTER

Interview No. 007

Vier Frauen, die sich mit Ü50 an die
Schwimm-EM wagen

Obwohl sie erst spät mit dem Schwimmen begonnen haben…

Vor gut einem Jahr stand Anna Karina Schmitt, die Freitaucherin, die wir bereits aus der Frauenbadi Zürich kannten, plötzlich bei uns vor der Tür. Mit einer besonderen Idee im Gepäck:

Ihr Freund trainierte vier Schwimmerinnen über 50, die sich für die Schwimm-EM vorbereiteten – und alle standen vor demselben Problem: Es gab kaum Badeanzüge, die elegant sitzen, funktional sind und gleichzeitig das Gefühl geben, gut angezogen zu sein.

„Wir wollten einen Badeanzug, in dem wir uns stark, elegant und wohl fühlen“

So entstand kurz darauf das erste Treffen in unserem Atelier in Zürich.

Nathalie, Sabine und Anna kamen vorbei, wir hörten zu, nahmen ihre Wünsche auf und machten uns an die Entwicklung. Für uns bei VOLANS war das eine neue Herausforderung: Unsere Badeanzüge sind auf Eleganz und Komfort im Wasser ausgelegt, aber nicht unbedingt auf stundenlanges intensives Schwimmtraining ohne Reibung oder Leistungsverlust.

Gerade deshalb haben wir uns mit viel Freude darauf eingelassen – weil uns die Geschichte dieser vier Frauen berührt hat und wir damit auch anderen Frauen Mut machen wollen, Neues zu wagen.

Wie ist die Idee entstanden, gemeinsam an die EM in Šamorín zu gehen – und was ist euch in dem Moment als Erstes durch den Kopf gegangen?
 
Sabine: „Als wir als Erwachsene mit dem Schwimmen begonnen haben, hatten wir alle unsere ganz persönlichen ‚inneren‘ Ziele. Sei es 1000 Meter am Stück crawlen, einmal über den See schwimmen oder alle Lagen souverän zu beherrschen. Zwei von uns waren schon als Jugendliche Schwimmerinnen, zwei haben erst um die 50 damit angefangen.“
 
Christine: „Wir hatten einfach Freude am gemeinsamen Schwimmen und wollten ambitioniert bleiben. Als dann unser Fohrbach-Schwimmbad wegen Umbau geschlossen wurde, hatten wir die Sorge, dass diese Ambition etwas verloren geht.“
 
Nathalie: „Wir hatten uns gerade erst alle kennengelernt und wollten einfach zusammen schwimmen – daraus entstand dann die Idee eines gemeinsamen grossen Ziels: warum nicht die EM schwimmen?“
 
„Daraus entstand die Idee eines gemeinsamen Ziels: Warum nicht an die EM?“
 
Catrin: „Es war am Anfang eher ein Happening. Aber je mehr wir uns damit beschäftigt haben und mit unserem Trainer intensiv trainiert haben, desto näher kam dieses Ziel. Er hat uns auch den Mut gegeben, uns tatsächlich zu qualifizieren.“
 

Kanntet ihr euch schon vor dem Schwimmen – oder ist eure Freundschaft erst im Training entstanden? Und was hat der Sport mit eurer Verbindung gemacht?

Catrin: „Das Lustige ist: Christine und ich kannten uns schon gut, wussten aber gar nicht, dass wir beide schwimmen.“
 
Nathalie: „Sabine und ich kannten uns eher flüchtig vom Beckenrand. Sabine war immer total fokussiert auf ihr Training, und ich habe damals gedacht: da komme ich nie hin.“
 
Sabine: „Und dann fragte unser Trainer irgendwann, ob wir zusammen ein Schwimmcamp machen wollen. Ich wusste auch nicht genau, was da auf uns zukommt, aber dieses Camp war definitiv die Initialzündung.“
 
Ihr jongliert Training, EM-Vorbereitung und eure Jobs – wie sieht ein typischer Tag aus, an dem eigentlich schon alles zu viel wäre, ihr aber trotzdem ins Wasser geht?
 
Sabine: „Wenn alles zu viel wird, waren wir meistens schon im Wasser.“
 
Christine: „Wir schwimmen alle sehr früh am Morgen – sonst lässt der Tag es einfach nicht mehr zu.“
 
Nathalie: „Wir verabreden uns im Voraus. Und wenn man im Bett liegt und denkt ‚oh nein, heute nicht‘, weiss man gleichzeitig, dass man die anderen nicht hängen lässt – und steht dann trotzdem auf. Dranbleiben ist wahrscheinlich die wichtigste Disziplin.“
 
Catrin: „Schwimmen ist mehr als ein Hobby. Es trägt einen – aber nur, wenn es zur Routine wird.“

Christine (lacht): „Wenn man eine Woche lang jeden Tag 50 Meter Chlorbahnen zieht, schweisst das zusammen. Beim Schwimmen sieht man sich sehr unverfälscht: niemand kann etwas kaschieren, alle haben Schwimmbrillenränder und diese typische Bademützen-Sonnenlinie im Gesicht – irgendwie sieht am Ende niemand eitel aus. Schwimmen braucht auf vielen Ebenen viel Atem, und man schwimmt letztlich immer gegen sich selbst. Auch das verbindet.“

„Einfach anfangen. Sich nicht durch das Alter ausbremsen lassen.“

Viele glauben, man müsse als Leistungsschwimmerin früh starten, sonst sei es ‚zu spät‘. Ihr beweist das Gegenteil – was würdet ihr Frauen sagen, die genau diesen Gedanken haben?
 
Christine: „Einfach anfangen. Sich nicht vom Alter oder von Meinungen anderer bremsen lassen. Sich auf sich selbst besinnen, den eigenen Erfahrungen vertrauen, die eigenen Stärken neu definieren und vor allem neugierig bleiben.“
 
Nathalie: „Glaubt an euch – nicht untergehen!“ 😉
 
Catrin: „Es war nie unser Ziel, klassische Leistungsschwimmerinnen zu werden. Wir wollten einfach jeden Tag ein bisschen besser werden – Technik verbessern, Wasserwiderstand reduzieren, das Wasser bewusster greifen.“
 
Sabine: „Wir haben das irgendwann unter dem Hashtag #poweredbyexperience zusammengefasst. Weil wir zu unseren Erfahrungen stehen – in allen Lebensbereichen.“
 

Gab es einen Moment, in dem ihr im Training oder im Wettkampf gedacht habt: ‚Ich kann nicht mehr‘ – und was hat euch trotzdem weitermachen lassen?

Nathalie: „Diese Momente gibt es immer wieder.“
 
Christine: „Zum Glück haben wir sie nicht alle gleichzeitig.“
 
Sabine: „Es ist definitiv das Team, das einen da durchträgt. Und unser Trainer kennt unsere Stärken und Schwächen sehr genau und weiss, wie er uns aus solchen Phasen herausholt.“
 
Catrin: „Und am Ende ist es die Freundschaft.“
 
 

Danke Chlorine Legends für das spannende Interview. Wir drücken euch die Daumen für die EM und freuen uns auf viele Einblicke in euren Trainings-Alltag.

„Er musste vor allem sportlich schwimmbar sein, sollte aber gleichzeitig elegant sein.“

Was war euch bei der Entwicklung des Badeanzuges besonders wichtig?

Catrin: Zuerst hat Sabine unser Logo entwickelt. Im gleichen Zuge haben wir uns für Blau und Gold entschieden – für uns Farben, die Sportlichkeit und Eleganz verbinden. Genau das sollte auch der Badeanzug widerspiegeln: sportlich funktional, aber gleichzeitig elegant und beweglich.

Sabine: Wir haben verschiedene Modelle getestet und dabei gemerkt, wie anspruchsvoll es ist, einen wirklich guten Badeanzug zu entwickeln. Wie VOLANS uns dabei begleitet hat, unser Feedback aufgenommen und umgesetzt hat, hat uns sehr beeindruckt.

Christine: Es ist ja eigentlich nur ein kleines Stück Stoff, das trotzdem enorm viel aushalten muss – das ist wirklich nicht trivial.

Nathalie: Die erste Version hat die sportlichen Tests nicht bestanden. Wir mussten bei vielen kleinen Details, die beim langen Schwimmen entscheidend sind, nochmals ganz neu denken. Heute fühlen wir uns in den Badeanzügen richtig wohl und schwimmen sie sehr gern.

 
 

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Nathalie: „Die erste Version hat die sportlichen Tests nicht bestanden. Wir mussten bei vielen kleinen Details, die beim langen Schwimmen entscheidend sind, nochmal ganz neu denken. 
 
Heute fühlen wir uns in den Badeanzügen richtig wohl und schwimmen sie sehr gern.“

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Credits

Photos: Mona Lisa Fiedler, Photos Backstage: Anna Karina Schmitt, Interview: Valerie Iselin